Buildquelle: finnhart von pixabay.de

Alexa, Siri, Cortana & Co. – sie alle haben sich in unser aller Leben etabliert. Anfänglich als lustige Spielerei abgetan, werden digitale Sprachassistenten für viele Anwendungen genutzt. Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones gegen Ende der 2000er Jahre war es nur eine Frage der Zeit, dass Siri auf den iPhones und iPads vielen ein Begriff wurde. Heute haben wir uns an die Nutzung von Sprachassistenten gewöhnt – vom digitalen Einkaufszettel bis zur Bedienung von Smart-Home-Einrichtungen, die mittels automatisierter und fernbedienbarer Geräte eine vernetzte Wohnumgebung und damit auch den Energieverbrauch ökologischer gestaltet und nicht zuletzt auch die Sicherheit in den eigenen vier Wänden erhöht.

Seit der massiven Bewerbung von Echo-Dot-Lautsprechern zur Nutzung von Amazons Alexa haben sich diese Smart Speaker zu ausgeklügelten Systemen weiterentwickelt, die in vielen Haushalten anzutreffen sind. So nutzen laut einer Studie des Branchenverbandes BITKOM rund 3 von 10 deutschen Haushalten Smart-Home-Einrichtungen – Tendenz steigend. Weitere Studien belegen, dass sich Menschen an Sprachassistenten schnell gewöhnen und ihre Nutzung schnell zu schätzen lernen. Aber sind digitale Sprachassistenten tatsächlich die unverzichtbaren Helfer im Alltag oder gibt es auch Nachteile?

„Okay Google“ und „Hey Siri“ – Sprachassistenten und ihr Nutzen

Als Siri als der digitale Butler in unser Leben trat, war es zunächst ein spaßiges Feature, das in den Apple-Smartphones enthalten war. Man konnte es mit abstrusen Fragen löchern, die zum Teil seltsam anmutenden Antworten sorgten gelegentlich für ein Schmunzeln. Es wurde zu einem Sport, dem Sprachassistenten neue Tricks zu entlocken. Man drückt einfach auf die Home-Taste – und Siri hört zu. So kann man auf Zuruf Termine im Kalender eintragen, eine Online-Suche starten, den Hit der Woche abspielen oder das aktuelle Wetter abrufen.

Es dauerte nicht lange, und auch Google reagierte auf die Entwicklung mit einem eigenen Sprachassistenten namens Google Now, der heute mit dem Google Assistant auf Android-Smartphones installiert ist. Aus dem Hause Microsoft kam mit Cortana eine Spracherkennung für Windows hinzu, und auf den Samsung Galaxys dieser Welt findet man Bixby als intelligenten Zuhörer. Sie alle unterstützen ihre Nutzer bei Aufgaben aller Art. Statt mühsames Eintippen eines längeren Mail-Textes auf der Display-Tastatur kann man heute seine Nachrichten problemlos ins Gerät diktieren, und je häufiger diese Sprachfeatures genutzt werden, desto besser lernt der Assistent seinen Nutzer kennen und wächst mit den Bedürfnissen.

Bildquelle: Kaufdex von pixabay.de

Gründe, warum man Sprachassistenten nicht unbedingt für alles nutzen sollte

So praktisch Alexa und Co. auch sein mögen und uns viele Handgriffe – vom Einschalten der Nachttischlampe bis zum Regulieren der Heizung – abnehmen können, so gibt es auch eine Reihe von Fällen und Gründen, bei denen man lieber auf das klassische Tippen zurückgreifen sollte. Eine Reihe von Gründen hierfür beschreiben wir im Folgenden.

Datenschutz und Datensicherheit. Einige Sprachassistenten stehen im Verdacht, ihre Nutzer und ihre Umgebung ständig zu belauschen und möglicherweise ständig Tonaufnahmen in die Cloud ihres Betreibers zu senden. Begründet wird dies mit besserer Lernfähigkeit des Systems. Einigen Android-Nutzern ist aufgefallen, dass sie, nachdem sie sich mit einem Gesprächspartner in der Nähe ihres Handys über ein bestimmtes Produkt unterhalten haben, wenig später Werbung für genau dieses Produkt angezeigt bekommen haben. Zumindest im Fall von Alexa können wir diesbezüglich Entwarnung geben. Die Smart Speaker der Echo-Serie (Echo Dot usw.) reagieren geräteintern ausschließlich auf die Aktivierungswörter „Alexa“, „Echo“, „Computer“ oder „Amazon“ – je nach Einstellung des Besitzers. Erst dann hören sie aktiv zu und senden die gehörte Sprache und sonstige Geräusche in die Amazon-Cloud zur Auswertung. Die dort gespeicherten Audio-Daten können später jederzeit gelöscht werden, um ihre mögliche Auswertung seitens Amazon zu verhindern.

– Missverstandene Kommandos und mögliche Folgen. Seit einiger Zeit kann sich Alexa mit dem persönlichen Outlook-Kalender verbinden, um zum Beispiel auf Zuruf Termine einzutragen. Beim Google Assistant in Android-Geräten ist dies mit dem GMail-Kalender möglich. Mit dieser Funktion kann man per Spracheingabe sogar Termine in die Kalender anderer Leute senden. Hier ist allerdings sehr bewusstes Handeln vonnöten: Wer im übermüdeten oder womöglich angetrunkenen Zustand ungewollt unpassende Dates an den Chef oder die Ehefrau schickt, kann schnell in peinliche Situationen geraten, die mit manuellem Eintragen in den Kalender hätten vermieden werden können. Weitaus unproblematischer ist hingegen die Tatsache, dass manche Sprachassistenten ihren Nutzer in bestimmten Situationen nicht verstehen. Hier muss man sich möglicherweise einen bestimmten Tonfall oder eine Stimmlage angewöhnen. Wenn es drei Versuche braucht, um eine Lampe per Sprache auszuschalten, mag es zunächst sogar unfreiwillig komisch wirken, aber irgendwann ist es nur noch lästig. Da ist der Griff zum Schalter dann doch bedeutend einfacher.

– Missbrauch von Online-Bestellfunktionen. Sprachassistenten sind ein gern genutzter Partyspaß, um den Google Assistant oder Alexa an ihre Grenzen zu bringen. Manche Zeitgenossen finden es besonders lustig, zu vorgerückter Stunde die Bestellfunktion des Echo Dots ihres Gastgebers auszuprobieren. Per Sprachbefehl können alle möglichen und unmöglichen Waren aus dem Amazon-Shop gekauft werden – natürlich auf Kosten ihres Besitzers. Im schlimmsten Fall hat man dann am nächsten Tag viele Kartons mit unerwünschten Dingen vor der Tür. Wenn Alexa akiv ist und Gäste im Haus sind, sollte man daher besser die Bestellfunktion abschalten, um dann doch besser per Amazon-App oder Weboberfläche einzukaufen.

– Sprachassistenten und ihr Stromverbrauch. Moderne Smart-Home-Systeme sollen auch beim Energiesparen helfen – sei es durch automatische Heizungssteuerungen, Schalten und Regulieren der Beleuchtung, Öffnen und Schließen von Rolladen und Fenstern und so weiter. Dass Smart Speaker allerdings kontinuierlich Strom verbrauchen, da sie ständig für Sprachkommandos empfangsbereit sein müssen, wird dabei oft vergessen. Geräte dieser Art verbrauchen allerdings nur wenige Watt, sodass ihr Stromverbrauch beinahe vernachlässigbar ist. Anders sieht es allerdings bei Sprachassistenten in Smartphones und Tablet-PCs aus. Hier laufen Siri, Google Assistant und Co. ständig im Hintergrund und verbrauchen kostbare Akkuleistung. Dies führt zu mehr Akkuladezyklen, die zu erhöhtem Stromverbrauch führen und darüber hinaus die Lebensdauer des Akkus verkürzen. Allein aus Umweltschutzgründen sollten Sie deshalb die Sprachfunktion deaktivieren, wenn diese nicht unbedingt benötigt wird. Die Erkennung von „Okay Google“ in Android-Geräten kann man wie folgt abschalten: Im Hintergrund läuft ein Dienst namens „Voice Match“, der auf das „Okay Google“ lauscht. Hierzu öffnet man die Google-App und tippt auf „Mehr …“. In den Einstellungen wählt man dann „Spracheingabe“ aus. Wenn man dort hinunterscrollt, findet man „Voice Match“. Darin deaktiviert man den Regler „Mit Voice Match zugreifen“. Ab diesem Zeitpunkt ist die Spracherkennung von „Okay Google“ deaktiviert und der Akku hält jetzt länger durch. Der Google Assistant lässt sich auch komplett abschalten, dies geschieht in den Einstellungen des Gerätes unter Google/Google Assistant.

Fazit

Digitale Sprachassistenten bieten eine Menge Vorteile, insbesondere für Menschen mit Handicap, die nicht in der Lage sind, ein Gerätedisplay manuell zu bedienen. Auch für Sehbehinderte sind Siri & Co. eine mögliche Hilfe. Für Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, bedeutet eine sprachgesteuerte Heimautomation ein echter Mehrwert an Lebensqualität und Selbstständigkeit. Für Menschen ohne eine Behinderung hingegen sollte man sich gelegentlich darauf zurückbesinnen, mal wieder bewusst eine Einkaufsnotiz ins Display zu tippen. Eine SMS oder Messenger-Nachricht mit den Fingern zu entwerfen, sorgt für weniger Fehler als per Spracheingabe (insbesondere was die Interpunktion betrifft oder bei speziellen Wörtern, die der Sprachassistent nicht kennt) – wer einmal eine per Spracheingabe erzeugte Nachricht erhalten und gelesen hat, erkennt dies sofort an den Fehlern. Und nicht zuletzt sorgt die Abschaltung von nicht benötigten Sprachassistenten für Energieersparnis durch längere Akkulaufzeit.