Der PC im Büro bleibt schwarz. Kein Lüfter, kein Piepton, keine LED. Der Verdacht fällt meist zuerst auf Mainboard oder Arbeitsspeicher, und schon liegt ein Ersatzteil auf dem Tisch, das niemand gebraucht hätte. Dabei steckt hinter einem toten PC erstaunlich oft das Netzteil. Wer es mit einem einfachen Multimeter misst, weiß nach zehn Minuten, woran er ist.

Vorbereitung: Erst die einfachen Ursachen ausschließen
Bevor Sie zum Messgerät greifen, lohnt noch ein kurzer Blick auf die Basics. Sitzt das Kaltgerätekabel fest? Steht der Schalter am Netzteil auf “I”? Liefert die Steckdose Strom? Ein loses Kabel hat schon mehr Servicetickets ausgelöst, als man zugeben möchte.
Für die Messung reicht ein einfaches Multimeter mit Gleichspannungsbereich. Teuer muss es nicht sein. Wichtig sind eine Anzeige mit zwei Nachkommastellen und Prüfspitzen, die dünn genug für die Steckerkontakte sind. Stellen Sie das Gerät auf DC-Spannung ein, Bereich 20 Volt.
Danach ziehen Sie den Netzstecker, öffnen das Gehäuse und lösen den 24-Pin-Stecker vom Mainboard. Das Netzteil selbst bleibt zu. Die Kondensatoren im Inneren halten ihre Ladung auch dann noch, wenn das Gerät längst vom Netz getrennt ist.
Das Netzteil ohne Mainboard einschalten
Ein Netzteil läuft erst an, wenn es vom Board ein Startsignal bekommt. Das lässt sich nachbauen. Im 24-Pin-Stecker gibt es ein einzelnes grünes Kabel, das Signal PS_ON. Verbinden Sie dessen Kontakt mit einem beliebigen schwarzen Massekabel, zum Beispiel mit einer aufgebogenen Büroklammer. Dann Netzstecker einstecken und Schalter auf “I”.
Dreht der Lüfter an, ist das Netzteil grundsätzlich einsatzfähig. Bleibt er still, ist es sehr wahrscheinlich defekt, vorausgesetzt Steckdose und Kabel sind in Ordnung. Ein drehender Lüfter beweist allerdings noch nichts. Entscheidend sind die Spannungen.
Spannungen messen und bewerten
Setzen Sie die schwarze Prüfspitze an ein Massekabel und tasten Sie mit der roten die farbigen Kontakte nacheinander ab. Die Sollwerte bei 5 Prozent Toleranz:
| Kabelfarbe | Nennwert | Zulässiger Bereich |
| Orange | 3,3 V | 3,14 bis 3,47 V |
| Rot | 5 V | 4,75 bis 5,25 V |
| Gelb | 12 V | 11,4 bis 12,6 V |
| Lila (Standby) | 5 V | 4,75 bis 5,25 V |
Zeigt die gelbe Leitung 11,2 Volt, ist das Netzteil durchgefallen, auch wenn der Lüfter munter läuft. Besonders aufschlussreich ist die lila Leitung. Fehlt dort die Standby-Spannung, bleibt der Rechner komplett tot, weil das Board nie ein Lebenszeichen bekommt. Genau dieses Bild beschreiben Anwender am Telefon.
Achten Sie außerdem auf Schwankungen. Springt die Anzeige auf der 12-Volt-Leitung zwischen 11,9 und 11,3 Volt, ist das Netzteil altersschwach, obwohl der Mittelwert passt. Bewegen Sie den Kabelbaum leicht. Ein Wackelkontakt zeigt sich sofort.
Messen unter Last
Im Leerlauf verhält sich ein Netzteil anders als im Betrieb. Ein Gerät mit sauberen Werten kann unter Belastung einbrechen, vor allem auf der 12-Volt-Schiene. Wer das prüfen will, schließt das Mainboard wieder an und misst an einem freien Molex- oder SATA-Stecker: Gelb liefert 12 Volt, Rot 5 Volt, Schwarz ist Masse. Die Prüfspitzen müssen dabei sicher sitzen, denn ein Kurzschluss durch eine abgerutschte Spitze beschädigt im schlimmsten Fall Komponenten.
Bleiben die Werte stabil und der PC stürzt trotzdem ab, hilft nur der Gegentest mit einem Ersatznetzteil.
Wie es nach der Messung weitergeht
Liegen die Werte außerhalb der Toleranz, tauschen Sie das Netzteil. Eine Reparatur lohnt sich nicht und ist ohne Fachkenntnis gefährlich. Sind alle Werte sauber, rücken andere Verdächtige nach: Steckverbindungen am Board, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, im Zweifel das Mainboard selbst.
Notieren Sie die gemessenen Werte im Ticket. Wer beim nächsten Ausfall am selben Gerät sitzt, erkennt Muster deutlich schneller und muss nicht von vorn anfangen.

Neueste Kommentare