Microsoft erhöht die Sicherheit von Microsoft Edge noch mehr. Für Edge 151 steht seit dem 25. August 2026 eine neue Security Baseline bereit. Sie enthält sechs neue Sicherheitsempfehlungen und eine zusätzliche Einstellung, die Unternehmen für ihre Umgebung prüfen sollten.

Besonders interessant ist die neue Process Isolation. Sie soll Edge Prozesse besser davor schützen, dass andere Programme auf sie zugreifen, sie verändern oder manipulieren. Zusätzlich empfiehlt Microsoft, Automatic HTTPS zu testen, um unverschlüsselte HTTP Verbindungen möglichst automatisch auf HTTPS umzustellen.

Microsoft veröffentlicht neue Security Baseline für Edge 151

Microsoft hat die neue Konfiguration im offiziellen Beitrag zur Microsoft Edge 151 Security Baseline vorgestellt.

Eine Security Baseline ist eine von Microsoft empfohlene Sammlung von Sicherheitseinstellungen. Sie richtet sich vor allem an Unternehmen und Administratoren, die Edge auf vielen Windows PCs möglichst einheitlich und sicher konfigurieren möchten.

Die neue Baseline enthält sechs zusätzliche Empfehlungen. Gleichzeitig stellt Microsoft ein aktualisiertes Baseline Paket für das Security Compliance Toolkit bereit.

Für private Nutzer bedeutet das nicht, dass plötzlich sechs neue Einstellungen automatisch aktiviert werden. Die Baseline dient vor allem Administratoren als Grundlage für Gruppenrichtlinien und andere zentrale Verwaltungsverfahren.

Process Isolation ist die wichtigste neue Edge 151 Einstellung

Microsoft hebt insbesondere die Richtlinie:

ProcessIsolationEnabled

hervor.

Sie trägt die Bezeichnung „Enable Process Isolation“ und soll die Integrität der Edge Prozesse verbessern.

Webbrowser verarbeiten ständig sensible Daten. Dazu gehören Cookies, Anmeldesitzungen, Zugangsdaten, Webseiteninhalte und teilweise Unternehmensinformationen. Gelingt es einem anderen lokalen Prozess, sich in einen Browserprozess einzuklinken, kann daraus ein zusätzliches Sicherheitsrisiko entstehen.

Microsoft möchte solche Zugriffe mit der stärkeren Prozessisolation erschweren.

Die Funktion ergänzt vorhandene Schutzmechanismen wie den Microsoft Defender SmartScreen. Wie dieser Schutz arbeitet, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Windows SmartScreen: Aufgabe und Funktion.

Process Injection kann zum Kompatibilitätsproblem werden

Die höhere Sicherheit kann allerdings Auswirkungen auf bestimmte Programme haben.

Microsoft weist darauf hin, dass Software problematisch sein kann, die bewusst Code in Edge Prozesse einschleust oder auf Browserprozesse zugreifen muss.

Das betrifft vor allem spezielle Unternehmenssoftware oder ältere Anwendungen mit tiefer Browserintegration.

Wenn eine Anwendung nach Aktivierung von Process Isolation nicht mehr korrekt funktioniert, solltest Du die Sicherheitseinstellung nicht einfach dauerhaft deaktivieren.

Microsoft empfiehlt für solche Ausnahmen eine bewusste Risikoabwägung und eine genaue Kompatibilitätsprüfung.

Automatic HTTPS soll HTTP Verbindungen sicherer machen

Eine zweite interessante Empfehlung betrifft Automatic HTTPS.

Die Funktion versucht Webseiten, die über unverschlüsseltes HTTP aufgerufen werden, automatisch über HTTPS zu öffnen.

HTTPS verschlüsselt die Verbindung zwischen Browser und Webserver. Dadurch wird es deutlich schwieriger, übertragene Daten unterwegs mitzulesen oder zu verändern.

Microsoft unterscheidet bei Automatic HTTPS zwei Varianten.

VarianteVerhalten
UpgradeCapableDomainsEdge stellt nur dann auf HTTPS um, wenn Microsoft davon ausgeht, dass die Webseite HTTPS unterstützt.
AlwaysUpgradeEdge versucht jede HTTP Verbindung konsequent über HTTPS aufzubauen.

Die zweite Variante bietet den strengeren Schutz. Unterstützt eine alte Webseite allerdings kein HTTPS, kann dadurch eine Fehlerseite erscheinen.

Gerade Unternehmen mit älteren internen Webanwendungen sollten Automatic HTTPS deshalb zunächst testen.

Edge 151 Security Baseline Schritt für Schritt prüfen

Schritt 1: Installierte Microsoft Edge Version kontrollieren

Öffne Microsoft Edge und gib in die Adresszeile ein:

edge://settings/help

Edge zeigt anschließend die installierte Version an und sucht normalerweise automatisch nach Aktualisierungen.

Alternativ kannst Du:

edge://version

verwenden.

Weitere praktische Edge Kurzbefehle findest Du in unserer Übersicht über die Edge Chromium URLs.

Schritt 2: Aktuelle Edge ADMX Vorlagen einspielen

Wenn Du Edge über klassische Gruppenrichtlinien verwaltest, benötigst Du aktuelle ADMX und ADML Vorlagen.

Wie Du diese in einer Active Directory Umgebung oder auf einem lokalen Windows PC einbindest, zeigen wir in unserer Anleitung zu den Microsoft Edge ADMX Gruppenrichtlinien Vorlagen.

Schritt 3: Process Isolation zunächst in einer Testgruppe aktivieren

Suche in den aktuellen Edge Richtlinien nach:

ProcessIsolationEnabled

Aktiviere die Einstellung zunächst nur auf wenigen Testsystemen.

Prüfe anschließend typische Geschäftsanwendungen, Browser Erweiterungen, interne Webseiten und Programme mit enger Browserintegration.

Schritt 4: Gruppenrichtlinien aktualisieren

Nach einer Änderung kannst Du auf einem Testclient eine Aktualisierung der Gruppenrichtlinien auslösen:

gpupdate /force

Starte Edge danach vollständig neu.

Schritt 5: Aktive Edge Richtlinien kontrollieren

Öffne:

edge://policy

Dort zeigt Edge alle zentral angewendeten Richtlinien und deren aktuellen Status an.

Diese Seite ist besonders hilfreich, wenn eine GPO scheinbar nicht übernommen wurde oder sich lokale Edge Einstellungen anders verhalten als erwartet.

Was bedeutet die neue Baseline für private Windows Nutzer?

Für einen normalen privaten Windows 11 PC besteht zunächst kein unmittelbarer Handlungsbedarf.

Wichtig ist vor allem, Microsoft Edge aktuell zu halten. Der Browser installiert Aktualisierungen normalerweise automatisch.

Zusätzlich solltest Du vorhandene Sicherheitsfunktionen nicht ohne Grund deaktivieren.

Dazu gehört beispielsweise der Schutz vor potenziell unerwünschten Programmen. Wie Du diese Funktion kontrollierst, zeigen wir in unserer Anleitung PUA Protection im Microsoft Edge aktivieren.

Auch der InPrivate Modus ist Teil der zentral verwaltbaren Edge Funktionen. Administratoren können ihn bei Bedarf über eine Gruppenrichtlinie für Edge deaktivieren.

Aus der Administratorpraxis: Baseline nicht sofort auf alle PCs verteilen

Eine neue Security Baseline solltest Du nicht ungeprüft auf alle Arbeitsplatzrechner ausrollen.

Beginne mit einer kleinen Pilotgruppe. Dort sollten möglichst verschiedene Hardwaremodelle, Abteilungen und wichtige Geschäftsanwendungen vertreten sein.

Achte besonders auf Anwendungen, die Browserinhalte überwachen oder tief in Edge Prozesse eingreifen. Genau hier könnte Process Isolation bestehende Abhängigkeiten sichtbar machen.

Erst wenn die Pilotgruppe stabil arbeitet, solltest Du den Rollout schrittweise erweitern.

Unsere Erfahrung mit Edge Gruppenrichtlinien

Microsoft Edge lässt sich inzwischen sehr umfangreich über Gruppenrichtlinien verwalten. Das ist für Administratoren hilfreich, erhöht aber gleichzeitig die Komplexität.

Eine einzelne falsch gesetzte Richtlinie kann Funktionen blockieren oder für Anwender zu ungewöhnlichem Verhalten führen.

Deshalb ist edge://policy bei der Fehlersuche besonders wertvoll. Du kannst damit direkt am betroffenen Rechner erkennen, welche Richtlinien tatsächlich aktiv sind.

Ein ähnliches Vorgehen verwenden wir beispielsweise auch bei der zentralen Konfiguration der Microsoft Edge Startseite per Gruppenrichtlinie.

Praxistipp: Alte Webanwendungen vor AlwaysUpgrade testen

Automatic HTTPS klingt zunächst nach einer Einstellung, die immer aktiviert werden sollte. In modernen Umgebungen ist HTTPS tatsächlich die richtige Wahl.

Problematisch können jedoch alte Intranet Anwendungen, Geräteoberflächen oder Verwaltungsseiten sein, die ausschließlich HTTP unterstützen.

Teste deshalb zunächst die vorsichtigere Variante und dokumentiere Webseiten, die noch kein HTTPS unterstützen.

Langfristig solltest Du solche Systeme möglichst aktualisieren. Weitere Hinweise zum Schutz von Windows und Browserdaten findest Du in unserem Beitrag Privatsphäre unter Windows 10 und Windows 11 verbessern.

FAQ zur Microsoft Edge 151 Security Baseline
KI-generierte Darstellung, kein Original-Screenshot.

FAQ zur Microsoft Edge 151 Security Baseline

Was ist die Microsoft Edge 151 Security Baseline?

Die Security Baseline ist eine von Microsoft empfohlene Sammlung von Sicherheitseinstellungen für Microsoft Edge 151. Sie richtet sich vor allem an Unternehmen und Administratoren.

Wie viele neue Empfehlungen enthält die Baseline?

Microsoft nennt sechs neue Sicherheitsempfehlungen und eine zusätzliche Einstellung, die Unternehmen für ihre Umgebung prüfen sollten.

Was macht ProcessIsolationEnabled?

Die Richtlinie verstärkt die Isolation von Microsoft Edge Prozessen und soll sie besser vor unerlaubten Zugriffen, Veränderungen und Manipulationen durch andere Programme schützen.

Kann Process Isolation Programme beeinträchtigen?

Ja. Probleme sind möglich, wenn Software auf das Einschleusen von Code oder andere tiefe Zugriffe auf Browserprozesse angewiesen ist. Solche Anwendungen sollten vor einem breiten Rollout getestet werden.

Was ist Automatic HTTPS?

Automatic HTTPS versucht unverschlüsselte HTTP Verbindungen automatisch auf HTTPS umzustellen. Damit sollen Datenübertragungen besser gegen Manipulation und Mitlesen geschützt werden.

Müssen private Edge Nutzer die Security Baseline installieren?

Nein. Die Security Baseline ist hauptsächlich für verwaltete Unternehmensumgebungen gedacht. Private Nutzer sollten vor allem sicherstellen, dass Microsoft Edge aktuell bleibt und die integrierten Sicherheitsfunktionen aktiviert sind.

Wie sehe ich angewendete Edge Gruppenrichtlinien?

Gib edge://policy in die Adresszeile von Microsoft Edge ein. Dort werden die aktuell angewendeten Browserrichtlinien angezeigt.

Fazit zur neuen Microsoft Edge 151 Security Baseline

Mit der neuen Security Baseline für Microsoft Edge 151 verschärft Microsoft die Absicherung des Browsers vor allem für Unternehmensumgebungen. Process Isolation ist dabei die wichtigste Neuerung. Sie soll Browserprozesse besser gegen Manipulationen durch andere lokale Anwendungen schützen. Automatic HTTPS kann zusätzlich dafür sorgen, dass mehr Webseiten verschlüsselt aufgerufen werden.

Administratoren sollten die neuen Einstellungen jedoch nicht ungetestet flächendeckend aktivieren. Besonders bei älteren Geschäftsanwendungen und Programmen mit tiefer Edge Integration empfiehlt sich zunächst ein kontrollierter Pilotbetrieb.